Was ist ein Rollenspiel?

Ein Rollenspiel (engl. Roleplaying Game) ist ein Spiel, in dem Spieler die Rollen ausgedachter Charaktere bzw. Figuren übernehmen und selbst handelnd soziale Situationen bzw. Abenteuer in einer erdachten Welt erleben.

Rollenspiel ist das gemeinsame Erzählen und Erleben einer Geschichte. Rollenspiel ist, einen Charakter durch eine erdachte Welt zu führen, und mit ihm fantastische Abenteuer zu erleben.

Für ein Rollenspiel braucht man eigentlich nur eine Gruppe von Spielern (mind. 2 Personen, eine Gruppe von 3-5 ist ideal) und ein wenig Fantasie.

Die meisten Rollenspieler haben allerdings gerne zusätzlich ein festes Regelwerk aus einem Zufallselement (meist Würfel) und einer vorgegebenen Welt zur Hilfe. Diese Hilfestellungen erleichtern es dem Spielleiter (engl. Game Master) eine konsistente Welt zu schaffen, in der die Spieler wissen oder zumindest erahnen können, wie die Welt auf ihre Aktionen reagiert.

Was ist ein Abenteuer?

Als Abenteuer werden die Geschichten bezeichnet, die alle Spieler mit dem Spielleiter gemeinsam erleben. Der Spielleiter kennt die Rahmenhandlung und die Geheimnisse des Abenteuers schon bei Spielbeginn. Die Spieler müssen im Spielverlauf erst erkunden, um was es konkret im jeweiligen Abenteuer geht.

Der Spielleiter gibt dabei Hinweise und spielt alle beteiligten Spielfiguren, die nicht zur Spielergruppe gehören (also alle Nichtspielercharakter oder NSCs). Abenteuer kann man kaufen oder sich selbst ausdenken.

Ein simples Abenteuer wäre: Die Spielercharaktere sind in einer Burg eingekerkert und müssen fliehen. Mit welchen Hürden das verbunden ist, wer ihnen ggf. dabei hilft, was zur Einkerkerung geführt hat, weiß alleine der Spielleiter. Die Spieler müssen ihre Kreativität einsetzen und Lösungen suchen zu entkommen oder einfach herausfinden, was sie in diese Situation gebracht hat und was man mit dieser anfangen kann.

Spielercharaktere

Was ist ein Spielleiter?

Der Begriff Spielleiter bezeichnet den Erzähler eines Rollenspiels. Er beschreibt das Universum (inklusive aller Figuren, die nicht von den Mitspielern gesteuert werden) und gibt den Charakteren Hinweise und Anreize Abenteuer in der fiktiven Welt zu erleben.

Er spielt zwar selbst keinen Charakter, wie der Rest der Mitspieler, also nicht wirklich „mit ihnen“, aber auch nicht gegen sie. Vielmehr steuert das Geschehen und moderiert das Abenteuer, dass alle gemeinsam, ähnlich wie einen Film oder ein Buch, erleben und gestalten können.

Der Spielleiter repräsentiert alle Personen und Figuren im Spiel, die nicht von Spielern dargestellt werden, die sogenannten Nichtspielercharaktere (NSCs) oder auch „Monster“ (jedoch sind nicht alle NSCs gleich Monster).

Was ist ein Charakter?

„Charaktere“, in manchen Systemen auch „Helden“ genannt, sind die Spielfiguren oder Rollen,  in die Spieler in der ausgedachten Welt schlüpfen. Die Spieler bestimmen und beschreiben dabei, wie ihr Charakter aussieht, handelt, redet, und Einfluss auf seine Umwelt nimmt.

Spielercharaktere (SCs) sind in Regelwerken mit Hilfe von verschiedenen Werten dargestellt, die besschreiben, wie gut ein Charakter eine bestimmte Fähigkeit beherrscht. So werden die besonderen Stärken und Schwächen des Charakters festgelegt. Diese Werte werden für Würfelproben benötigt, die Auskunft über das Ge- oder Misslingen von Handlungen und Absichten geben.

Rollenspielrunde

Was sind Würfelproben?

Eine Würfelprobe (WP), kurz auch Probe, stellt fest, ob die Handlung oder Aktion eines Charakters,  die sein Spieler ankündigt, funktioniert. Die Werte oder Attribute eines Charakters beschreiben sein Potential (zum Beispiel Schwimmen 4), das Ergebnis einer Würfelprobe sagt im Einzelfall  aus, wie gut ein Charakter eine bestimmte Aufgabe tatsächlich meistern konnte (zum Beispiel den breiten Fluss durchschwimmen).

Dabei setzt der Spielleiter fest, wie schwierig die konkrete Aufgabe für den Charakter ist (den breiten Fluss durchschwimmen 6) – der Spieler würfelt und muss mit dem Würfelergebnis diese Schwierigkeit erreichen oder übertreffen, um erfolgreich zu sein.

Charaktere haben in verschiedenen Talenten und Eigenschaften Werte, die diese Würfelwürfe beeinflussen, und das Ergebnis der Aktion – zum besseren oder zum schlechteren – verändern.

Eigentlich könnte der Spielleiter immer alles ohne Würfelprobe entscheiden – aber um eine zusätzliche Spannung (Schicksal) ins Spiel zu bringen, muss auch der Spielleiter für Handlungen seiner NSCs Würfelproben ablegen und die Ergebnisse aller Würfelproben im Spiel akzeptieren.

Was ist die Spielbalance?

Spieler müssen darauf achten, dass ihre Charaktere sich so verhalten, wie das ihre Umgebung in der Spielwelt üblicherweise erwarten würde. Wenn sie einfach chaotisch tun und lassen, was sie wollen, zerstört das die Illusion der Realität und macht auch das Spiel für die Mitspieler kaputt.

Spielleiter haben die schwierige Aufgabe den Spielern herausfordernde Aufgaben zu stellen, arbeiten aber dabei nicht gegen die Spieler – ihr Ziel ist nicht, die Spielergruppe zu besiegen oder ständig scheitern zu lassen. Sie dürfen nicht die Macht, die sie als Spielleiter haben, mit der Macht verwechseln, die die von ihnen gesteuerten NSCs und Gegner der Spielercharaktere in der Spielwelt haben.

Ein Spielleiter hat also mehrere Rollen, die er nicht vermischen darf, sonst hat die Spielergruppe von vornherein keine Chance. Gestaltet er das Abenteuer zu einfach, kommt Langeweile auf, macht er die Aufgaben zu schwer, wird es schnell frustrierend.

Wer gewinnt eigentlich?

Niemand. Oder alle zusammen. Das Ziel eines Rollenspiels ist nicht, als Einzelner über die anderen Mitspieler zu triumphieren, sondern gemeinsam Herausforderungen zu bewältigen und spannende Geschichten zu erleben, die man weitgehend aktiv mitgestaltet.

Auch wenn es jede Menge Gelegenheiten gibt, mit guten Einfällen zu glänzen und den Charakter tolle Leistungen vollbringen zu lassen, das Ziel ist nicht die anderen Mitspieler auszustechen oder irgendeinen imaginären Preis zu erringen. Rollenspiele folgen nicht den kompetitiven Regeln anderer (besser anerkannter) Hobbies.

Man ist auch nicht im Chor oder Orchester um lauter zu spielen als die anderen. Oder immer nur Soloparts zu bekommen.

„Wer Spaß hat, hat gewonnen.“

Mythen über Rollenspiele

Party!

Rollenspieler sind Nerds

Das stimmt, na und? Ein Biochemiker oder Atomphysiker ist häufig auch ein Nerd. Eben ein Spezialist in einem Nischengebiet, der auf Äußerlichkeiten und Konsum vielleicht weniger Wert legt. Er wird vielleicht etwas seltener zu den Parties eingeladen, aber dafür hat er eine Truppe echter Freunde und erlebt Dinge, die sich andere nicht einmal ausmalen können.

Wenn die Welt nur aus potenten Fussballstars und bebrillten Astronomen bestünde wäre eventuell vieles einfacher.

Zum Glück gibt es auch muskelbepackte Astronomen und kleinwüchsige Fussballer, die in der Freizeit Brille tragen müssen – und noch jede Menge andere großartige Menschen.

Mädchen spielen keine Rollenspiele

Das ist nicht wahr, aber es stimmt, dass der Anteil weiblicher Pen & Paper Rollenspieler schon immer sehr niedrig war.

Das liegt sicher auch an der Herkunft der Rollenspiele (Strategische Tabletop Kriegssimulationen) und an dem meist extrem auf männliche Käufer zugeschnittenen Design und Artwork.

Dass Rollenspiele vom Konzept und der grafischen Darstellung her oft sexistisch sind ist leider wahr. Das beginnt schon im Mittelalter mit dem Bild der „Jungfrau in Not“, die vom heldenhaften Ritter gerettet werden muss. Dieses Grundmotiv steckt bis heute in sehr vielen Rollenspielen, Kinofilmen, Comics und Büchern.

Rollenspiele bieten die Freiheit es anders zu machen. Jungs und Männer können in die Rolle einer Frau schlüpfen und umgekehrt, sie können ihre Figuren traditionell oder mal ganz anders spielen. Der Spielleiter kann die Regeln ändern und eine Spielwelt erschaffen, in der Frauen das Sagen haben oder die Geschlechter sich als gleichwertig betrachten. Es liegt hier bei den Spielern selbst.

In einer Studie von WotC aus dem Jahr 1999 wurde festgestellt, dass 19% der Befragten im Alter zwischen 12 und 35 weiblich waren. Das ist fast einer von fünf Spielern.

So ziehe ich mich im Winter auch immer an...
Cosplay & LARP

Rollenspiele sind wie Theater

Die Spieler bestimmen, wie sie ihr Rollenspiel spielen wollen. Wenn sich dazu alle kostümieren möchten und in mittelalterlicher Sprache die Worte ihrer Charaktere vortragen wollen, gut. Die meisten machen das nicht und es ist auch nicht erforderlich. Ebensowenig braucht man Unmengen an bemalten Zinnfiguren oder ähnliches Zubehör. Chips & Schokolade sind deutlich wichtiger.

LARP (Live Action Role Playing)  findet in der Regel draußen statt und ähnelt eher einem großen Kostümfest mit viel Herumlaufen und dem Schwingen von Kunsstoffschwertern.

Beim Cosplay wird gar nicht gespielt, der Fokus liegt darauf, bekannte Figuren aus Comics, Anime, Computerspielen usw. möglichst überzeugend durch aufwändige Kostüme und Schminke darzustellen und (hoffentlich) fotografiert zu werden.

 

Rollenspiele sind gewaltverherrlichend

Während Kampf in den meisten Rollenspielen vorkommt, wird er (fast) nie als die einzige Antwort auf alles dargestellt. Konflikt ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Geschichte und Rollenspiele spiegeln das wider. Aber Rollenspiele bieten viel mehr als nur Hack’n’Slay… wäre dem nicht so, gäbe es nicht eine solche Vielfalt an Rollenspielbüchern.

Es gibt Bücher über andere Kulturen, Menschen, Rassen und Traditionen, die alle in einer beliebigen Anzahl von Möglichkeiten interagieren, Kampf ist dabei nur eine einzige Option.

Wäre ein Rollenspiel das Äquivalent zu einem Egoshooter wie Quake, wären Rollenspielbücher nur wenige Seiten stark.

Manchmal helfen Worte doch nicht weiter...
Magisches Duell

Rollenspieler sind Okkultisten

Rollenspiele verwenden oft ein System von fantastischer Magie, weit entfernt von Hexerei oder Okkultismus. Es gibt einige Spiele, die entworfen wurden um „realer“ zu wirken und die Autoren haben dafür okkulte Quellen für ihre Spielwelt verwendet; dennoch kann man nicht lernen, wie man Zauber wirkt, indem man ein Rollenspiel spielt. Genauso wenig lernt man, wie  man mit einem Schwert kämpft oder ein Pferd reitet.

Die Magie, die in Rollenspielen verwendet wird, ist nur ausgedacht, sie existiert nur in der Spielwelt, richtet sich niemals gegen echte Personen und verursacht keinerlei Effekte in der realen Welt.

Übrigens: auch in der realen Welt gibt es keine Zauberei.

RPGs fördern obsessives Verhalten

Es ist merkwürdig, dass ein treuer Sportfan, der über wenig mehr als Tabellen und Statistiken reden kann, von den meisten Leuten nicht als „obsessiv“ angesehen wird, doch ein Rollenspieler, der einmal pro Woche einige Stunden spielt, schon.

Eine Person, die viel Zeit mit Rollenspielen verbringt, ist einfach eine Person, die viel Zeit damit verbringen würde, etwas anderes zu tun, wenn es keine Rollenspiele gäbe.

Persönliche Verantwortung und Reife sind hier das eigentliche Thema. Rollenspiele fördern obsessives Verhalten nicht mehr oder weniger, als jedes andere Hobby, sie erfordern nur mehr geistigen Einsatz als die meisten. Vielleicht ist das der Grund, warum viele Kritiker Rollenspiele fürchten.

Die tun nichts, die wollen nur spielen...
Kids' Dungeon

Rollenspiele sind (nur) was für Kinder

Rollenspiel kann so einfach sein wie ein Spiel von Räuber-und-Polizist im Hinterhof oder eine intensive Sitzung um die „zornigen Führer der Stadtstaaten am Rande des Krieges“ zu spielen. In Rollen zu schlüpfen und nachzuahmen ist die natürlichste Form des Lernens.

Im Wesentlichen ist es immer die gleiche Art von Spiel, aber für die meisten von uns verändert sich mit zunehmender Reife wie wir spielen. Ein 11-Jähriger wird nie müde Drachen zu jagen und Schätze zu sammeln. Ein Erwachsener, wird irgendwann anfangen genauer auf den Charakter zu schauen, eine persönliche Geschichte zu entwickeln und höhere Ziele zu verfolgen.

Die allermeisten Spieler sind zwischen 25 und 35 Jahre alt (Studie WotC).

Hinweis: Kommerzielle Rollenspiele sind dennoch nicht automatisch für Kinder jeden Alters geeignet! Die grafischen Darstellungen von nicht realen Dingen fördern zwar die Fantasie, können aber auch Ängste verstärken. Rollenspiele lassen sich jedoch leicht für jedes Alter kindgerecht anpassen.