Die Sieben Schwestern

Eine der berühmtesten Legenden im Königreich Cynrir ist die Geschichte von den Sieben Schwestern. Ihr Ursprung ist unbekannt und sie wird seit vielen hundert Jahren von Generation zu Generation weiter erzählt.

“Einige Jahre nachdem der blinde Held Maeron von seiner langen Reise in die Hallen der Götter zurückgekehrt war, geriet er in Streit mit Amyr, dem Regenmacher. Dieser hatte ihm schon viele Male nachgestellt und versucht den Namen des Helden zu beflecken, doch jener war dem Streit immer wieder geschickt ausgewichen. An diesem Morgen jedoch konnte er sich den Angriffen des streitlustigen Amyr nicht mehr entziehen und musste sich ihm im Zweikampf stellen, um sein Gesicht zu wahren. Der Kampf dauerte den ganzen Morgen und Amyr warf Winde und Wasser gegen Maeron, bis dieser zu ermüden begann. Doch er trotzte den Stürmen und warf Amyr schließlich nieder in den Schlamm. Mit einem Zauber verwandelte sich dieser in eine weiße Schlange und biss Maeron in die Seite, bevor er sich aus dessen Griff entwand und floh. Maeron kehrte zu seinem Haus auf dem Hügel der Fallenden Blüten zurück, wo ihn seine Fraue, die Heilerin Sarai, pflegte und seine Wunden verband. Acht heilige Blumen aus den Bergen der Reorn wurden ihr gebracht, von denen sie jeweils ein Blütenblatt verwendete und es mit Säften und Wassern benutzte, um die Wunde zu versorgen: Molan – die Pfingstrose, Geowyr – die Chrysantheme, Saeca – die Rose der Morgenröte, Dalhyr – die Azalee, Cheonry –  der Lotus, Maegwor – die Kamelie, Oseomantu – die Duftblüte, Cynira – die Narzisse. Sieben Blüten färbten sich schwarz vom Gift der Schlange, nur das Blütenblatt der Narzisse blieb unverändert. Die erste Dienerin von Sarai wurde angewiesen, die Blätter im Feuer zu verbrennen, aber sie warf stattdessen Blätter vom Jasmin in die Flammen, deren Rauch Maeron aus dem traumlosen Schlaf erwachen ließ. Die Giftblätter legte sie in eine Schale und trug sie am Abend in den Garten, wo sie diese unter einem Pfirsichbaum vergrub. Sieben Jahre später erblühten nach einer Vollmondnacht die heiligen Blumen und ihren Blüten entsprangen sieben junge Mädchen, die Töchter des Maeron. Ihre Namen lauten Iocheu, Seora, Olys, Syr, Feory, Cara und Eoran. Nur die Narzisse blühte über diese Nacht hinaus, nachdem alle anderen Blumen verwelkt waren, aber die achte Tochter des Maeron blieb ungeboren.”

Die sieben Schwestern wuchsen im Haus der Sarai auf und hatten die besten Lehrmeister, die man finden konnte. Ihr Vater lehrte sie zu laufen, zu kämpfen und die Herzen der Menschen zu ergründen. Ihre Mutter zeigte Ihnen die Kunst der Heilung und lehrte sie das Wissen über die Kräfte der Kräuter, Säfte, Steine und Wasser. Jedes der sieben Mädchen war von anderer Natur und mit den Jahren wuchsen sie zu kühnen Frauen heran, die ihren Platz unter den Tanyn (“Die Hohen”) einnahmen. Der Schmied Raenyr schuf für jede von ihnen ein einzigartiges Schwert, die Maer Syryr. Diese sagenhaften Klingen gelten als die schönsten und kunstfertigsten Schwerter, die je geschaffen wurden. Sie waren die letzte Arbeit des alten Künstlers und er legte ein Siebtel seiner Macht in jede von ihnen.

Iocheu ist die älteste der sieben Schwestern. Sie wurde der Legende nach aus der Pfingstrose geboren. Mit ihr verbunden werden die Aspekte der Jagd, der Nacht, des Vollmondes und der Tarnung. Ihre Farbe ist ein tiefes Lila. Sie besitzt einen Kapuzenumhang, der sie während der Nacht vollkommen unsichtbar macht, wenn sie die Kapuze überstreift. Ihr Wesen ist eher introvertiert und wortkarg, sie zieht die Einsamkeit der Gesellschaft vor und umgibt sich lediglich mit ihren Begleitern, ihrem Streitross Lacera (“Schattenmähne”)  und den beiden Widkatzen Tyscynn (“Mondauge”) und Tanerys (“Langfang”).

Iocheu