Die Sterntaler

Die Sterntaler ist ein kurzes Märchen (ATU 779H*). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 2. Auflage von 1819 an Stelle 153 (KHM 153), vorher als Das arme Mädchen an Stelle 83, und geht zum Teil auf Achim von Arnims Novelle Die drei liebreichen Schwestern und der glückliche Färber zurück. Bei Grimm schrieb sich der Titel Die Sternthaler.

3+

5min

keine Gewalt

Sterntaler
Illustration zu „Die Sterntaler“ von Viktor Paul Mohn, 1882

Es war einmal ein kleines Mädchen, dessen Vater und Mutter gestorben waren. Sie hatten ihm nichts hinterlassen und es war so arm, dass es kein Zimmerchen mehr hatte, um darin zu wohnen. Und es hatte auch kein Bettchen mehr, um darin zu schlafen. Es besaß nur die Kleider am Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Das Mädchen war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, da ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Ungewisse.

Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: “Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig.” Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot, sagte: “Gott segne es dir” und ging weiter. Danach traf es ein Kind, das jammerte und sprach: “Es friert mich so an meinem Kopfe, bitte gib mir etwas, womit ich ihn bedecken kann.” Da nahm es sein Mützchen ab und gab es dem Kind. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind, das hatte kein Leibchen an und fror – da gab es ihm seins.

Und noch ein Stück weiter, da bat ein Kind es um sein Röcklein und das Mädchen gab es dem Kind. Endlich gelangte es in einen Wald. Es war schon dunkel geworden, da kam noch ein armes Kind und bat um sein Hemdchen und das fromme Mädchen dachte: “Es ist dunkle Nacht, da sieht mich niemand, ich kann wohl mein Hemdchen weggeben”. Und so zog es sein Hemdchen aus und gab es auch noch hin.

Und wie es da so stand und gar nichts mehr hatte, da fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und wurden zu lauter goldenen Talern; und auch wenn es gerade sein Hemdchen her gegeben hatte, so trug es ganz plötzlich wieder ein neues, das war aus allerfeinstem weißen Leinen. Da sammelte es all die Taler hinein und war von nun an reich für sein ganzes Leben.